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Auf dem Holzweg durchs Alpbachtal

Eine Reise durch das Alpbachtal zu wilden Klammen, alten Bauernhöfen, besonderem Handwerk und moderner Lichtkunst.  

Eine Reise durch das Alpbachtal

Im Tiroler Alpbachtal erzählt Holz seit Jahrhunderten seine eigene Geschichte. Wer ihr folgt, entdeckt spektakuläre Klammen, urige Bauernhäuser, aussichtsreiche Gipfel und Menschen, die altes Handwerk neu interpretieren. 

Unsere Reise beginnt dort, wo das Wasser den Weg vorgibt. Die Tiefenbachklamm in Brandenberg beeindruckt vom ersten Schritt an. Türkisgrün schießt die Brandenberger Ache durch die enge Schlucht. Das Wasser rauscht zwischen den Felsen. Stege und Stahlbrücken schmiegen sich an die Felswände. Immer wieder führt der Weg direkt über das tosende Wasser. An heißen Sommertagen sorgt die Gischt für eine willkommene Abkühlung. 

Von der gefährlichen Holztrift zur entspannten Klamm-Expressfahrt

Heute zählt die Klamm zu den schönsten Wanderzielen Tirols. Bis in die 1960er Jahre war sie jedoch einer der gefährlichsten Arbeitsplätze des Landes. Dort, wo heute Wanderer stehen bleiben und fotografieren, wurden einst riesige Baumstämme mit der Kraft des Wassers ins Tal geschickt. Die Brandenberger Holztrift gehörte einst zu den größten in Europa. Tausende Baumstämme wurden Jahr für Jahr mit der Kraft des Wassers ins Tal transportiert. Für die Holzknechte war das eine harte und gefährliche Arbeit. Verkeilte Stämme mussten von Hand gelöst werden. „Jeder Fehler konnte lebensgefährlich sein“, erinnert sich Walter Marksteiner. Er war viele Jahre Holzknecht und hat die Trift selbst noch miterlebt. „Wenn sich ein Stamm verkeilt hat, bist du hingelaufen. Da hast du nicht lange überlegen dürfen.“ Heute beginnt der Weg deutlich entspannter. Seit diesem Sommer bringt der kostenlose Alpbachtal Klammexpress Gäste vom ehemaligen Liftparkplatz direkt bis zum Eingang der Tiefenbachklamm.

Prügeltorte, die süße Tradition

Im Alpbachtal landet Holz nicht nur auf Dächern oder in Bauernstuben. Manchmal steckt es sogar mitten im Rezept. Die Brandenberger Prügeltorte, ein traditionelles Schichtgebäck aus Eiern, Butter, Zucker und Mehl, wird bis heute auf einer drehenden Holzrolle über offenem Feuer gebacken. Sie gilt als besondere Festtagsspezialität und wurde bereits Papst Johannes Paul II. und auch der Queen Elizabeth als Gastgeschenk überreicht. Wie die süße Tradition zubereitet wird, das kann man immer donnerstags beim Schaubacken in Kramsach sehen. Probieren ist ausdrücklich erlaubt.

Die Geschichte der Holztrift endet nicht an der Kaiserklamm

Im Museum Tiroler Bauernhöfe in Kramsach lebt sie weiter. In der Dauerausstellung erzählen historische Werkzeuge, Fotografien und Dokumente vom Alltag der Holzknechte. Auf einigen historischen Aufnahmen ist auch Walter Marksteiner zu sehen, als junger Mann inmitten der Stämme.

Das größte Freilichtmuseum Tirols umfasst 34 originale wiederaufgebaute Höfe und Nebengebäude aus allen Talschaften Tirols. Schwere Holztüren, knarrende Dielen und jahrhundertealte Stuben zeigen, wie eng das Leben der Menschen einst mit dem Holz verbunden war.

Alte Handwerkstechnik unserer Vorfahren

Während Besucher gemütlich durch das weitläufige Museumsgelände spazieren, wird hinter den Kulissen ständig gearbeitet. Der mehr als 300 Jahre alte Zenzl's Hof aus St. Leonhard im Pitztal erhält derzeit ein neues Bretterdach. Holzbaumeister Peter Pfister und Zimmerer Martin Werlberger arbeiten dabei mit derselben Technik, die ihre Vorfahren vor Jahrhunderten schon verwendet haben.

Jedes einzelne Brett aus heimischer Lärche wird von den beiden sorgfältig begutachtet und ausgewählt. Denn kleine Astlöcher oder feine Risse könnten später Wasser eindringen lassen. Das Holz bleibt naturbelassen. Von Hand gefertigte Ablaufrinnen in den Brettern lassen das Regenwasser zuverlässig abfließen. Ein Unterdach gibt es bei dieser historischen Bauweise nicht.

Ein einfaches Blechdach wäre weniger Arbeit, aber genau diese alten Techniken wollen wir ja hier erhalten.
Peter Pfister

Alpbach und seine Bauordnung

Es geht weiter nach Alpbach. Das Bergdorf gilt als eines der schönsten Dörfer Österreichs. Kaum ein Haus fällt aus der Reihe. Dunkle Holzfassaden, kunstvoll geschnitzte Balkone und üppiger Blumenschmuck prägen das Ortsbild.

Dass Alpbach seinen ursprünglichen Charakter bis heute bewahrt hat, kommt nicht von ungefähr. Bereits 1953 wurde eine strenge Bauordnung eingeführt, die den traditionellen Holzbaustil vorgibt. Die erste Straße ins Dorf entstand übrigens erst 1926. Bis dahin war Alpbach über Jahrhunderte nur auf schmalen Wegen erreichbar. Vielleicht hat gerade diese Abgeschiedenheit dazu beigetragen, dass sich das Ortsbild bis heute bewahrt hat.

Viele Höfe sind mehrere hundert Jahre alt und werden bis heute bewohnt. Rund 200 Erbhöfe gibt es in Alpbach. Das heißt, sie befinden sich seit mindestens 200 Jahren im ununterbrochenen Besitz derselben Familie und werden über Generationen weitervererbt.

Eine besonders schöne Einkehr wartet oberhalb des Dorfes im Alpengasthof Roßmoos. Der Erbhof liegt auf 1.130 Metern und wird von der Familie Moser seit 1676 bewirtschaftet. Auf der Sonnenterrasse öffnet sich der Blick über Alpbach. Auf der Speisekarte stehen regionale Spezialitäten wie etwa die traditionelle „Brennsupp'n“, eine kräftige Rindssuppe mit würzigem Graukäse und knusprigen Schwarzbrotwürfeln. Ein Ort, an dem man leicht die Zeit vergisst.

European Forum Alpbach im Dorf der Denker

Jeden Spätsommer wird aus dem beschaulichen Bergdorf ein Ort der Begegnung. Rund 5.000 Menschen aus mehr als 100 Ländern reisen zum European Forum Alpbach an. Zwischen den jahrhundertealten Holzhäusern begegnen sich Nobelpreisträger, Studierende, Unternehmer und Politiker. Diskutiert wird über die großen Fragen unserer Zeit, von Wirtschaft und Forschung bis zu Demokratie und Europa.

Schrödingers Grab

Apropos Nobelpreisträger. Was nur wenige wissen, dass auf dem Friedhof in Alpbach der Physiker Erwin Schrödinger begraben ist. Weltbekannt wurde er durch sein Gedankenexperiment rund um Schrödingers Katze. Sein Grab ist unscheinbar. Erst beim genaueren Hinsehen entdeckt man die eingravierte Schrödinger Gleichung „iℏ ∂Ψ/∂t = ĤΨ“, eine der bedeutendsten Formeln der modernen Physik.

Einen Blick von oben genießen

Wer Alpbach besucht, sollte den Blick auch von oben genießen. Alpbachs Hausberg, die Gratlspitze auf 1.899 Metern, gehört zu den schönsten Aussichtsgipfeln der Region. Oben öffnet sich ein beeindruckender 360 Grad Rundumblick auf die Bergwelten Tirols. Von hier aus, so sagt man, könne man zudem bei klarer Sicht 26 Kirchtürme zählen.

Nicht weniger reizvoll ist das Wandergebiet am Wiedersberger Horn. Mit der Wiedersbergerhornbahn geht es bequem hinauf. Für alle Nächtigungsgäste ist die Fahrt durch die automatisch inkludierte Alpbachtal Card übrigens kostenlos. Oben warten Almhütten, Panoramawege und zahlreiche Wandermöglichkeiten für Familien ebenso wie für geübte Berggeher.

Der Werkstoff Holz aus Sicht des Künstlers

In einem kleinen Atelier in Alpbach liegt der Duft von frischem Holz in der Luft. Auf der Werkbank befinden sich feines Schnittholz, Werkzeug, Leim und Moos. Werner Moser arbeitet konzentriert an einem neuen Lichtobjekt. Aus sorgfältig ausgewähltem Holz von Walnuss, Eiche oder Zirbe entstehen in Handarbeit moderne Lichtobjekte. Jedes davon ein Unikat.

Noch vor wenigen Monaten führte der gelernte Zimmerer als Abteilungsleiter eines internationalen Unternehmens rund 40 Mitarbeitende. Anfang des Jahres tauschte er Meetings gegen die Werkbank.

Es ist derselbe Werkstoff, der früher auf der Brandenberger Ache ins Tal trieb. Damals entstanden daraus Höfe, Dächer und Stuben. Heute fertigen Menschen wie Werner Moser daraus kunstvolle Objekte. Dazwischen liegen Jahrhunderte. Geblieben ist das Wissen, wie aus einem Stück Holz etwas entsteht, das Generationen überdauert oder Menschen jeden Tag Freude bereitet.

Ich wollte wieder etwas mit meinen Händen schaffen. Etwas, das man angreifen kann.
Werner Moser
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