Lebensraum Alpbachtal – Wo Leben und Urlaub Hand in Hand gehen
Im Tourismus bedeutet gelungene Nachhaltigkeit nicht nur, Gäste zu begeistern, sondern sie beginnt in unserem gemeinsamen Lebensraum. Mit dem Projekt „Lebensraum Alpbachtal – Wo Leben und Urlaub Hand in Hand gehen“ hat Alpbachtal Tourismus einen wichtigen Schritt unternommen gemeinsam mit der Bevölkerung, regionalen Unternehmen, Vereinen und Gemeinden. Zusammen wurde erarbeitet, wie Tourismus und Lebensqualität in unserer Region langfristig im Einklang stehen können.
Ausgangslage: Verantwortung für Menschen und Raum
Die Ferienregion Alpbachtal ist nicht nur ein Urlaubsziel, sondern ein Lebensraum für rund 30.000 Menschen. Damit ist eine zentrale Aufgabe von Alpbachtal Tourismus, nicht nur den Gästen, sondern auch den Einheimischen gerecht zu werden. Die Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus im Rahmen von „Balanced Tourism“ bot die Chance, eine umfassende Lebensraumanalyse in unseren 10 Gemeinden durchzuführen, um einerseits den Status Quo zu erheben und andererseits, was sich die Bevölkerung vom Tourismus in der Region wünscht. Das Ziel des Projekts lag in der gemeinsamen Ableitung von den dringendsten Handlungsempfehlungen für die Zukunft unserer Region.
Meilensteine des Projekts
Der Startschuss des Projekts erfolgte im dritten Quartal 2024 mit der Einreichung unser Projekt beim Fördercall „Balanced Tourism“, welches genehmigt wurde und unser Vorhaben mit 80% Förderung unterstützte. Die Auswahl unseres externen Projektbegleiters fiel auf Gernot Paesold der uns bei der Planung und Umsetzung des Projekts unterstützte.
Der erste Schritt war Ende 2024 eine umfassende Bevölkerungsumfrage, welche die Basis für alle weiteren Schritte darstellen sollte. Um eine anerkannte und mit anderen Regionen vergleichbare Umfrage durchzuführen, konsultierten wir Kohl & Partner und ihren LebensQualiMeter. Der LebensQualiMeter umfasst 12 Basis- und 46 Subfaktoren, wobei „Tourismus“ eine der 12 Basisfaktoren darstellt. Damit wird eine breite Erfassung der regionalen Lebensqualität garantiert, die auch Bereiche wie Arbeit, Gesundheit, Bildung oder materielle Lebensbedingungen umfasst. Unsere Ansprechpartnerin bei Kohl & Partner Stefanie Zorn, stellte und die Ergebnisse vor und half uns diese zu interpretieren. Insgesamt konnten wir 1.128 Teilnehmer:innen aus Bevölkerung, Unternehmen und Mitarbeitenden mit unserer Umfrage erreichen. Das Gesamtergebnis: 70 von 100 Punkten stellt eine sehr gute Bewertung mit klaren Hinweisen auf Verbesserungsmöglichkeiten dar.
In einem weiteren Schritt wurden im Januar 2025 zwei Stakeholder-Workshops (21.–22.01.2025) mit rund 40 Vertreter:innen aus Tourismus, Landwirtschaft, Unternehmen, Vereinen, Verkehr und Gemeinde durchgeführt. Diese diskutierten gemeinsam die Umfrageergebnisse und priorisierten Handlungsoptionen mit ihrer Wirkung für Einheimische und Gäste. Im März erfolgte basierend darauf der Entscheider-Workshop. Alle 10 Gemeinden sowie Vorstand und Aufsichtsrat des TVB definierten gemeinsam die fünf wichtigsten Handlungsfelder, welche sie als besonders wichtig für unsere Region einschätzten. Im Zuge dessen wurden erste Maßnahmen festgelegt, darunter ein regionales Mobilitätskonzept und die Einführung einer regionalen Bürgerkarte.
Im Anschluss erfolgte die Ausarbeitung des Lebensraumentwicklungspapiers als strategische Grundlage, auf die wir uns gemeinsam mit den Gemeinden geeinigt haben. Außerdem wurden am Alpbachtal Tourismus Zukunftstag am 21.10.2025, die Ergebnisse an die Öffentlichkeit präsentiert, um Transparenz zu schaffen und die Öffentlichkeit weiter einzubinden.
Chancen des Projekts
Die Chancen des Projekts liegen für uns ganz klar in der Partizipation, welche eine breite Akzeptanz schaffen soll, in dem die Bevölkerung ihre Anliegen einbringen kann und die für sie wichtigen Themen aufgegriffen werden. Weiters ist die Vielfalt der unterschiedlichen Perspektiven durch die unterschiedlichen Akteur:innen ein richtiger Gewinn und bringt wertvolle Sichtweisen ein, welche für tragfähige sowie breit akzeptierte Lösungen sorgen. Darauf aufbauen sind Maßnahmen, die gemeinsam erarbeitet werden, ein entscheidender Faktor für eine gelungene nachhaltige Regionalentwicklung, da sie von allen Beteiligten mitgetragen werden. Und zuletzt bilden es die Basis für Dialog und Austausch, in dem der Prozess eine erste Plattform für gemeinsame Kommunikation geschaffen hat, die langfristig den Zusammenhalt stärken soll.
Herausforderungen
Wie wir Zuge der Nachhaltigkeitsstrategie und Gesprächen mit den Gemeinden und den anderen Stakeholdern gemeinsam erkannten ist, das vor allem die Zeit, das Personal sowie das Budget eine stark begrenzte Ressource darstellen. Insbesondere bei den Gemeinden und Stakeholdern müssen viele parallele Aufgaben bewältigt werden. Dieses gegenseitige Verständnis ist sehr wichtig für eine gelungene Zusammenarbeit, die auf Vertrauen und Wertschätzung basiert. Sie bildet auch unsere Ausgangsgrundlage, mit der wir arbeiten müssen und auf die wir im weiteren Verlauf Rücksicht nehmen. Weiters gibt es in der Region zwei unterschiedliche Planungsverbände und damit eine fehlende regionale Steuerungsstelle, was die Abstimmung unter den Gemeinden sowie mit Alpbachtal Tourismus erschwert. Dabei stellt sich erschwerend die Frage der Zuständigkeiten und Verantwortungen bei der Projektierung. Weiters sind Förderprozesse komplex und verzögern teilweise die Umsetzung. Letztlich beeinflussen vor allem externe, schwer kontrollierbare Faktoren, wie Wirtschaftliche Unsicherheiten die Investitionsbereitschaft und Planungssicherheit.
Learnings und nächste Schritte
Offene und strukturierte Kommunikation sind intern wie extern essentiell, dass sie Transparenz, Synergien und Vertrauen schaffen. Damit wird gemeinsames Arbeiten wahrscheinlicher, was die realistische, effiziente und erfolgreiche Umsetzung von regionalen Projekten erhöht. Die hohe Beteiligung und die konstruktiven Diskussionen zeigen jedoch das große Potenzial für Kooperation in unserer Region das noch weiter ausgeschöpft werden sollte. Es ist jedoch klar das die Plattform für Dialog weiter gestärkt werden muss, um die langfristige und erfolgreiche Zusammenarbeit zu sichern und auszubauen. Die fünf identifizierten Felder (z. B. regionale Bürgerkarte, regionales Mobilitätskonzept) bilden nun die Grundlage für weitere konkrete Umsetzungsschritte.
Fazit: Leben und Urlaub Hand in Hand
Mit dem Projekt „Lebensraum Alpbachtal - Wo Leben und Urlaub Hand in Hand gehen“ wurde eine fundierte Ausgangsbasis für die weitere nachhaltige Regionalentwicklung in der Region Alpbachtal geschaffen. Es zeigt: Tourismus ist nur dann erfolgreich, wenn er mit den Bedürfnissen der Bevölkerung in Einklang steht. Dankbarkeit, Wertschätzung und Kooperation sind dabei zentrale Werte sowohl für die Region als auch für die Gäste.
Die Ferienregion Alpbachtal setzt damit ein starkes Signal: Lebensqualität und Tourismus können und müssen sogar Hand in Hand gehen. Nur wenn alle Akteur:innen gemeinsam an Lösungen arbeiten und die Region als Lebensraum respektieren und gestalten können wir miteinander zuversichtlich in die Zukunft gehen.
Kontakt & Mehr Infos:
www.alpbachtal.at/nachhaltigkeit
Birgit Angermair – b.angermair@alpbachtal.at
Valentina Chesi – v.chesi@alpbachtal.at